Erstversorgung des Neugeborenen: Die ersten Minuten
Wärmen, Atmung beurteilen, unterstützen: Die ersten Minuten nach der Geburt entscheiden über einen guten Start. Ein Überblick über die wichtigsten Schritte.
Die allermeisten Neugeborenen kommen gut zurecht und beginnen von selbst zu atmen. Ein kleiner Teil benötigt jedoch Unterstützung beim Übergang in das Leben außerhalb des Mutterleibs. Ob im Kreißsaal, im Geburtshaus oder bei einer unerwarteten Geburt zu Hause: Klare Abläufe geben Sicherheit.
Wärme zuerst
Neugeborene kühlen sehr schnell aus, weil ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Gewicht groß ist. Das Kind wird daher sofort mit vorgewärmten Tüchern abgetrocknet, nasse Tücher werden entfernt. Der Kopf wird bedeckt, und Haut-zu-Haut-Kontakt mit der Mutter hält das Kind zusätzlich warm. Das Abtrocknen ist zugleich ein sanfter Atemreiz.
Beurteilen
Während des Abtrocknens werden Atmung, Herzfrequenz und Muskeltonus beurteilt. Atmet das Kind regelmäßig, schreit es oder bewegt es sich kräftig, sind meist keine weiteren Maßnahmen nötig.
Wenn das Kind nicht ausreichend atmet
- Den Kopf in Neutralposition bringen, eine kleine Unterlage unter den Schultern kann helfen.
- Fünf langsame, initiale Beatmungen geben, um die Lunge zu öffnen.
- Anschließend Herzfrequenz und Brustkorbbewegungen erneut beurteilen.
Bleibt die Herzfrequenz trotz wirksamer Beatmung sehr niedrig, beginnen geschulte Helfende mit Thoraxkompressionen im Verhältnis drei zu eins. Die Beatmung hat beim Neugeborenen jedoch die höchste Priorität.
Unerwartete Geburt außerhalb der Klinik
Kündigt sich eine Geburt unerwartet an, gilt: Notruf 112 wählen, Ruhe bewahren, Wärme vorbereiten. Nach der Geburt das Kind abtrocknen, warm halten und auf die Brust der Mutter legen. Die Nabelschnur muss nicht sofort durchtrennt werden.
Training macht sicher
Notfälle bei Neugeborenen sind selten, deshalb fehlt oft die Routine. Regelmäßiges Simulationstraining im Team, etwa für Hebammen, hilft, Abläufe und Kommunikation auch unter Stress sicher zu beherrschen.